Tamron 24-70mm vs Nikon 18-55mm

Lohnt sich ein Upgrade zu einem teuren Objektiv oder reicht auch die mitgelieferte Kit Linse? Diese Frage habe ich mir gestellt weil ich unzufrieden mit der Qualität meiner Fotos war. Natürlich bleibt der Fotograf das schwächste Glied in der Fotokette, aber ich wollte auch die Möglichkeiten beim Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen erweitern.

Alternative zum Nikon 18-55mm Kit Objektiv

Ich war mit einer im ISO Bereich etwas schwachen Nikon D3000 Digitalkamera und dem Nikon 18-55mm f/3.5 – 5.6 Kit Objektiv unterwegs. Es handelt sich um die alte Version ohne Bildstabilisator. Diese Kombination folgt der einfachen Regel: Viel Licht, gute Bilder. Wenig Licht, sehr schlechte Bilder. Zumindest wenn gerade kein Stativ zur Hand ist.

Da ich zunächst wenig positives über Fremdhersteller-Objektive gehört habe schaute ich mich im Zoo der Nikon Objektive um. Für meine Kamera mit APS-C Sensor bin ich ziemlich schnell auf das Nikon 17-55mm f/2.8 gestoßen. Neben der höheren Lichtstärke (Blende 2.8 verglichen mit Blende 3.5 – 5.6) hat mir besonders die durchgängige Blende von 2.8 über den gesamten Brennweitenbereich gefallen. Mit der variablen Blende passiert es mir immer wieder, dass ich vergesse die Blende nach dem Ändern der Brennweite nachzustellen.

Die Rezessionen im Internet waren durchwegs positiv aber der enorme Preis hat mich dann doch etwas zögern lassen.

Auf der Suche nach weiteren Alternativen schaute ich mir auch die Angebote von Sigma und Tamron an. Beide Hersteller bieten ähnliche Objektive zu einem deutlich günstigeren Preis an. Abgeschreckt haben mich aber sehr viele negative Berichte zum Thema Qualitätssicherung.

Etwa zu der selben Zeit habe ich mich für das Vollformat interessiert und stand vor dem Problem das der Erwerb eines Objektivs für den APS-C Sensor bei einem Umstieg auf das Vollformat nur noch mit Einschränkungen funktionieren würde.

Andersrum funktionieren Vollformat Objektive aber wunderbar an APS-C Sensoren.

Mit diesen Informationen waren die Karten neu gemischt und ich fand drei Vollformat Objektive die für mich interessant waren.

Es handelte sich um Objektive von Nikon, Sigma und Tamron mit 24-70mm Brennweite und durchgängiger Blende von 2.8. Die längere Brennweite kam mir für die Tierfotografie ganz gelegen und der geringere Weitwinkelbereich war zu diesem Zeitpunkt kein Problem für mich.

Weder das Nikon noch das Sigma Objektiv haben einen Bildstabilisator. Hinzu kommt, dass das Nikon Objektiv sau teuer ist. Per Ausschlussverfahren blieb also nur das Tamron 24-70mm f/2.8 übrig welches ich im Folgenden genauer unter die Lupe nehme.

Der Bildstabilisator war besonders interessant für mich, da ich zum einen sehr unruhige Hände habe und ich zum anderen längere Belichtungszeiten bei schlechten Lichtverhältnissen wählen kann. Wie eingangs erwähnt war dies schließlich der Hauptgrund warum ich mich nach einem neuen Objektiv umsah.

Tamron 24-70mm vs Nikon 18-55mm

Verarbeitung

Das Tamron macht schon aufgrund seines Gewichts einen sehr wertigen Eindruck. Stolze 830g bringt es auf die Waage und ist damit deutlich schwerer als die Kamera.

Das Objektiv besteht leider nicht aus Metall. Der verwendete Kunststoff macht aber einen sehr stabilen Eindruck. Im Gegensatz zum Kit Nikon Objektiv klappert und wackelt nichts.

Ok der Vergleich hinkt ein bisschen, da das Tamron ein ungefähr neunmal so großes Loch in den Geldbeutel reißt wie das Nikon. Für dieses Loch hätte Tamron allerdings die Elektronik etwas besser verstecken können. Nimmt man den Bajonetdeckel ab so kann man bei ausgefahrenem Zoom die Eingeweide des Objektivs sehen.

Nikon 18-55mm f/3.5 - f/5.6 und Tamron 24-70 f/2.8

Nikon 18-55mm f/3.5 – f/5.6 und Tamron 24-70 f/2.8

Die Gummierungen der Zoom- und Fokus-Ringe sind sehr ähnlich zu denen von Nikon. Hat man sich erst einmal an das Objektiv gewöhnt ist es auch kein Problem mehr, dass die Ringe im Vergleich zum Nikon Objektiv vertauscht sind.

Für den ein oder anderen mag auch der sehr schmale Fokusring gewöhnungsbedürftig sein, aber mich stört er nicht.

Die Ringe haben beide einen angenehmen Widerstand. Der Zoomring fühlt sich aber ein wenig so an als würde Kunststoff aneinander reiben. Ist nicht wirklich schlimm, aber da ist noch Luft nach oben.

Im Vergleich zum Kit Objektiv ist auch das Vorhandensein einer Fokusskala, der Spritzwasserschutz und die Innenfokussierung positiv hervorzuheben. Wegen letzterem ist der Einsatz von zirkulären Polfiltern wesentlich einfacher.

Ein kleiner Schalter zum arretieren der Brennweite rundet das Paket ab. Hier hätte ich mir noch gewünscht, dass die Arretierung auch bei den auf der Skala aufgedruckten Brennweiten funktioniert und nicht nur vollständig eingefahren bei 24mm. Das feste Einstellen von z.B. 35mm oder 50mm wäre somit leichter gewesen.

Das Tamron ein ordentliches Objektiv zusammengebaut hat wissen wir nun. Da ich es aber nicht zum schön finden und dran rumdrehen angeschafft habe bin ich los gezogen um zu fotografieren. Als Location habe ich mir das Nymphenburger Schloss in München ausgesucht. Ein Ort der von vielen Fotografen zu jeder Jahreszeit aufgesucht wird.

Um eine möglichst gute Vergleichbarkeit herzustellen habe ich mit beiden Objektiven bei 24mm Brennweite fotografiert. Als Blendeneinstellungen habe ich als Minimum f/4.0 verwendet, da dies die erste Blende war, die beide Objektive bei 24mm ermöglichen.

Schärfe

Die Schärfe ist mit Sicherheit eines der wichtigsten Eigenschaften eines Objektivs. Es gibt genügend Messverfahren die die Schärfe wissenschaftlich belegen können. Diese Informationen sind zwar ganz nett, aber erstens fehlt mir das passende Equipment für eine derartige Messung und zweitens fotografiere ich lieber richtige Motive als Testbilder.

Hier zunächst das komplette Motiv welches gleich genauer betrachtet wird.

Schloss Nymphenburg in München

Schloss Nymphenburg in München

Aus diesem Foto habe ich aus der Mitte einen Ausschnitt bei 100% Ansicht herausgeschnitten um die Unterschiede besser darstellen zu können. Alle Bilder wurden mit Stativ und deaktiviertem Bildstabilisator aufgenommen. Zur besseren Beurteilung können die Fotos mit einem Klick vergrößert werden.

Schärfevergleich bei 24mm und Blende f/4.0 zwischen Nikon und Tamron

Nikon 24mm f4.0 | Tamron 24mm f4.0

Was ist denn da los? Das erste Foto und gleich so ein Unterschied? Es ist normal, dass Objektive bei weit geöffneter Blende nicht so scharf sind wie ein paar Stufen abgeblendet, aber was ist denn da bei Nikon passiert? Als ich die Bilder für diesen Artikel ausgewertet habe, bin ich von einer Fehlfokussierung meinerseits ausgegangen und wiederholte den Versuch bei mir zu Hause. Leider hat dies nichts geändert, sodass ich dazu raten muss Blende 4.0 zu vermeiden. Dies erklärt auch das ein oder andere Urlaubsbild aus der Vergangenheit…

Im Vergleich zeigt sich das Tamron von einer wesentlich besseren Seite und kann mit deutlich mehr Schärfe überzeugen.

Schärfevergleich bei 24mm und Blende f/5.6 zwischen Nikon und Tamron

Nikon 24mm f5.6 | Tamron 24mm f5.6

Das sieht doch schon ganz anders aus. Bei Blende 5.6 hat die Schärfe der Kit Linse deutlich zugenommen. Ich würde sogar sagen, dass sie nun minimal vor dem Tamron liegt.

Auf den ersten Blick sieht das Foto vom Tamron Objektiv kontrastreicher aus. Tatsächlich macht sich ein Effekt bemerkbar, der auch auf den folgenden Fotos bestehen bleibt. Das Bild ist bei gleichen Einstellungen dunkler als das vom Nikon Objektiv. Die Helligkeit der Nikon Linse ist dagegen gleich geblieben.

Schärfevergleich bei 24mm und Blende f/5.6 zwischen Nikon und Tamron

Nikon 24mm F8.0 | Tamron 24mm f8.0

Beim Klassiker der Schönwetterblenden 8.0 konnte ich keine Veränderung der Schärfe im Vergleich zu den vorherigen Fotos ausmachen. Das dunkle Bild der Tamron Linse bleibt bestehen und die Schärfe kann auf beiden Seiten überzeugen.

Schärfevergleich bei 24mm und Blende f/11 zwischen Nikon und Tamron

Nikon 24mm f11.0 | Tamron 24mm f11.0

Zu guter Letzt noch Blende 11.0. Ich würde sagen, dass beide Linsen etwas an Schärfe eingebüßt haben, sodass der schärfste Bereich zwischen Blende 5.6 und 8.0 für beide Objektive liegen dürfte.

Wie scharf das Tamron runter bis Blende 2.8 ist muss noch gesondert betrachten werden. Nach meiner bisherigen Erfahrung wird es aber nur etwas unschärfer.

Da bisher nur der mittlere Bereich betrachtet wurde folgt noch ein Vergleich des linken und rechten Randes. Beide Male mit Blende 5.6 da beide Objektive hier eine gute Figur gemacht haben.

Schärfevergleich linker Bildrand bei 24mm und Blende f/5.6 zwischen Nikon und Tamron

Nikon 24mm f5.6 | Tamon 24mm f5.6
Linker Bildrand

Am linken  Bildrand kann ich keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Gefühlt würde ich dem Tamron ein minimal schärferes Bild zusprechen. Dies kann aber auch einfach am höheren Kontrast aufgrund des zu dunklen Fotos liegen.

Schärfevergleich rechter Bildrand bei 24mm und Blende f/5.6 zwischen Nikon und Tamron

Nikon 24mm f5.6 | Tamon 24mm f5.6
Rechter Bildrand

Betrachtet man am rechten Bildrand die herbstlich braune Hecke im Vordergrund, dann empfinde ich das Nikon hier etwas schärfer als das Tamron.

Bedenken muss man natürlich noch, dass das Tamron eine Vollformat Linse ist und somit gar nicht der gesamte Bildbereich bei den Aufnahmen genutzt wurde. Wie scharf das Tamron am Rand ist wird sich somit erst an einer Vollformat Kamera zeigen.

Bokeh

Neben der Schärfe ist das Bokeh ein weiteres wichtiges Merkmal eines Objektivs. Hierbei spielen die persönlichen Vorlieben eine wichtige Rolle. Was dem einen gefällt, kann bei jemand anderes Fußpilz auslösen.

Ich für meinen Teil bevorzuge ein ruhiges weiches Aussehen. Schauen wir uns also an was die Objektive diesbezüglich zu bieten haben.

Bokehvergleich zwischen Nikon und Tamron bei 24mm und Blende f/4.0

Nikon 24 mm f4.0 |Tamron 24mm f4.0

Damit es weiterhin fair zugeht habe ich wieder mit Blende 4.0 angefangen.

Beide Objektive zeichnen das Schloss im Hintergrund schön weich. Beim Rasen im Vordergrund empfinde ich das Nikon etwas unruhiger. Hier wirkt das Tamron „cremiger“ auf mich.

Bokehvergleich zwischen Nikon und Tamron bei 24mm und Blende f/5.6

Nikon 24mm f5.6 | Tamron 24mm f5.6

Bei Blende 5.6 ist die Unschärfe erwartungsgemäß etwas schwächer ausgeprägt. Das Nikon ist nach meinem Empfinden hier etwas weicher als das Tamron. Dies könnte auch ein Hinweis auf eine nicht einwandfrei kalibrierte Blende sein. Zusammen mit den Effekten aus dem Schärfe Vergleich verdichtet sich der Verdacht, dass hier etwas nicht stimmt.

Nur der Vollständigkeit halber hier noch ein Bild mit Blende 2.8 vom Tamron.

Tamron 24mm Blende f/2.8 Bokeh

Tamron 24mm f/2.8

Hier zeigt das Objektiv was es im Bereich der Freistellung drauf hat. Der Hintergrund ist sehr schön weich gezeichnet.

Lichtreflexionen

Normalerweise empfiehlt es sich nicht direkt in die Sonne zu fotografieren. Ich mache es aber trotzdem immer mal wieder gerne als stilistisches Mittel. Dabei machen sich natürlich auch die Gesetzte der Optik in Form von Lichtreflexionen bemerkbar. Je nach Menge und Art der Linsen die in einem Objektiv verbaut sind fallen diese Effekte mehr oder weniger stark auf. Der Effekt verstärkt sich wenn die Blende geschlossen wird. Gleichzeitig sorgt das für hübsche sternförmige Lichtquellen.

Vergleich von Lens Flares bei Nikon und Tamron

Nikon 24mm f16.0 | Tamron 24mm f16.0

Bei Blende 16.0 zeigen beide Objektive die Sonne als sternförmiges Objekt. Die Darstellung der Sonne gefällt mir beim Tamron etwas besser, aber was die Reflexionen betrifft so ist das Nikon klar im Vorteil. Und zwar weil es quasi keine Reflexionen gibt. Auf Tamrons Seite gibt es dagegen auf der Diagonalen zur unteren linken Ecke einige Flecken zu sehen. Insbesondere auf dem Baum befindet sich ein ovaler grüner Bereich. Würde man nur die Reflexionen auf der Diagonalen sehen, so könnte ich das noch als stilistisches Mittel verstehen. Auf der Seite von Tamron gibt es aber noch einen Effekt den ich deutlich unangenehmer empfinde. Rund um die Sonne gibt es lauter kleine Lichtpunkte die sich lustig verstreut im Bild eingenistet haben.

Der Umstand, dass das Tamron Objektiv viel mehr Glas mitbringt als das von Nikon sorgt hier für deutlich mehr unschöne Reflexionen.

Fazit

Ist das Tamron Objektiv nun ein würdiger Ersatz für die Kit Linse?

Für mich ein klares Ja. Das Plus an Schärfe bei offener Blende, die durchgehende Blende, das ruhigere Bokeh, die größere Lichtstärke und der Bildstabilisator machen das Objektiv für mich zu einem guten Begleiter in vielen Situationen.

Aber auch die Kit Linse braucht sich nicht zu verstecken. Für den vergleichsweise geringen Preis kann man damit gute Ergebnisse erzielen. Ein paar Stufen abblenden ist aber Pflicht um ein scharfes Bild zu erreichen. Der größere Weitwinkelbereich, die deutlich geringeren Lichtreflexionen und nicht zuletzt das viel geringere Gewicht machen aber auch das kleine Nikon zu einem guten Begleiter für die Nikon D3000.

Letztendlich muss jeder für sich selber entscheiden ob der Preis des Tamrons gerechtfertigt ist. Für mich passt der Preis, da mir das Objektiv im Gesamtpaket mehr Möglichkeiten bietet als das Nikon

Was die Unstimmigkeiten bei der Helligkeit betrifft so werde ich mich mit Tamron in Verbindung setzen um zu sehen, ob sie das Problem lösen können.

Zur Vermeidung der Lichtreflexionen werde ich mir in Kürze das Sigma Art 35mm f/1.4 mal etwas genauer ansehen und mit dem Tamron vergleichen. Da beide Gläser Vollformater sind erfolgt der Test dann auch an der Nikon D810

Wenn euch der Beitrag gefallen hat oder ihr Anmerkungen habt so freuen wir uns über eure Kommentare.

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