Nodalpunktadapter Namjagbarwa NB360-I

Vermutlich haben die Meisten von euch schon einmal ein Panorama mit einem Smartphone oder der Panoramafunktion der Kamera erstellt. Im Allgemeinen funktioniert das auch recht gut, aber um professionelle Panoramen mit einer Spiegelreflexkamera zu erstellen, bedarf es eines sog. Nodalpunktadapters oder Panoramakopfes. Im Folgenden beschreibe ich anhand des Namjagbarwa NB360-I was das ist und warum man ihn benötigt.

Warum benötigt man einen Nodalpunktadapter?

Wie eingangs erwähnt kann man natürlich auch ohne spezielles Equipment Panoramen erstellen. Solange sich alle Objekte weit von der Kamera entfernt befinden, reicht ein Stativ vollkommen aus. Möchte man aber Panoramen mit gleichzeitig nahen und entfernten Objekten erstellen, wird das Ganze schon schwieriger.

Warum ist das so?

Für die Erstellung eines Panoramas werden üblicherweise mehrere Aufnahmen erstellt, die später am Rechner zu einem Bild zusammengesetzt werden. Der Einfachheit halber schraubt man dafür die Kamera auf ein Stativ und macht in regelmäßigen Abständen eine Aufnahme. Eigentlich ganz einfach, wenn da nicht die Sache mit dem auf-das-Stativ-schrauben wäre. An welcher Stelle wird denn die Kamera auf das Stativ geschraubt? Da gibt es unterhalb der Kamera ein Gewinde, welches sich normalerweise ganz gut dafür eignet. Genau dieses Gewinde bestimmt aber auch den Drehpunkt der Kamera. Leider ist dieser Punkt ganz und gar nicht geeignet für die Panoramafotografie.
Ihr könnt das leicht selber ausprobieren indem ihr ein Auge schließt, einen Arm mit erhobenen Zeigefinger ausstreckt und den Zeigefinger mit dem noch offenen Auge anpeilt.
Am Besten, wenn euch niemand beobachtet, weil das doch ein bisschen dämlich aussieht.
Wenn ihr jetzt den Kopf bewegt, dann verschiebt sich der Hintergrund hinter dem Zeigefinger.
Bei der Panoramafotografie können dadurch Einzelbilder entstehen, die sich später nicht mehr ohne Bildfehler zusammensetzen lassen. Um dieses Problem zu lösen muss die Kamera um einen ganz speziellen Punkt gedreht werden. Der sog. Nodalpunkt. Damit das Ganze auch nicht zu einfach wird, unterscheidet sich dieser Punkt bei jeder Kamera- und Objektivkombination.

Die Lösung – Der Nodalpunktadapter

Glücklicherweise gibt es aber Hilfe in Form von Nodalpunktadaptern, die genau dafür entwickelt wurden. Sie erlauben das Drehen der Kamera um den Nodalpunkt, damit sich bei den Einzelaufnahmen für das Panorama, Vorder- und Hintergrund nicht mehr zueinander verschieben.

Da ihr nun wisst, wofür ein Nodalpunktadapter verwendet werden kann, stelle ich euch im Folgenden den Nodalpunktadapter Namjagbarwa NB360-I vor.

Namjagbarwa NB360-I

Nikon D810 mit Namjagbarwa NB360-I Nodalpunktadapter

Nikon D810 mit Namjagbarwa NB360-I Nodalpunktadapter

Der Nodalpunktadapter, mit dem auf den ersten Blick etwas eigenwilligen Namen Namjagbarwa NB360-I, ist hierzulande vermutlich noch recht unbekannt. Der Name des Herstellers ist von einem Berggipfel im Himalaja geliehen. Auch das Firmenlogo ist der Formation dieses prächtigen Namjagbarwa nachempfunden. Da man von Gebirgen sehr schöne Panoramen erstellen kann, macht der Name durchaus wieder Sinn.
Der Chinesische Shop für Panoramazubehör Panoramic Expert war so freundlich mir einen Namjagbarwa NB360-I zum Testen zur Verfügung zu stellen.

Der Panoramakopf wird in einer an eine Fototasche erinnernde Aufbewahrung geliefert. Darin sind die Einzelteile beim Transport oder bei der Lagerung gut geschützt. Das ganze System besteht aus einem Stativkopf, dem unteren Teil des Nodalpunktadapters und dem oberen Teil an dem die Kamera befestigt wird.

Namjagbarwa NB360-I Stativkopf

Nimmt man den Stativkopf in die Hand, so merkt man sofort, dass der Hersteller es ernst meint. Der Kopf ist extrem stabil und bringt mit seinen 442g auch ein ordentliches Gewicht mit.

Namjagbarwa Stativkopf mit Rasterung

Namjagbarwa Stativkopf mit Rasterung

Verglichen mit meinem Sirui G-10X Kugelkopf fällt sofort seine deutlich größere Standfläche auf. Der Sirui hält meine Nikon D810 gut fest, aber der Namjagbarwa ist noch einmal eine ganz andere Liga. Es wackelt nichts und er fühlt sich über jeden Zweifel erhaben an. Da es sich um einen speziellen Kopf für die Panoramafotografie handelt, besitzt er keine Kugel, dafür aber eine Rasterung, die sich in mehreren Stufen einstellen lässt.

Namjagbarwa vs. Sirui G-10X Stativkopf

Namjagbarwa vs. Sirui G-10X Stativkopf

Das orange Rad kann in unterschiedliche Gewinde geschraubt werden, um so die Schrittweite beim Drehen anzugeben. Zur Verfügung stehen 10°, 15°, 30°, 45° und 60°. Bei jedem dieser Schritte rastet der Kopf spürbar ein. Das Bestimmen der Winkel zwischen den Einzelaufnahmen wird damit zu einem Kinderspiel.
Darüber hinaus bringt der Panoramakopf einen Hebel zum Arretieren des oberen Teils mit. Ist dieser gelöst, so kann der obere Teil ohne Rasterung in die gewünschte Startposition gedreht werden. Ganz oben befindet sich noch eine Arca Swiss kompatible Befestigung um den eigentlichen Nodalpunktadapter aufzunehmen. Mit einer entsprechenden Schnellwechselplatte kann die Kamera natürlich auch direkt auf dem Kopf befestigt werden.
Das Einzige was diesen Kopf meiner Meinung nach noch hätte aufwerten können, wäre eine Nivellierung zum einfachen Ausrichten. Da diese Nivellierung aber problemlos separat erworben werden kann, ist dies meckern auf hohem Niveau.

Namjagbarwa NB360-I Nodalpunktadapter

Die Verarbeitungsqualität des Stativkopfes wird auch beim eigentlichen Nodalpunktadapter aufrechterhalten. Beide Schienen bestehen aus sehr stabilem Aluminium und sind mit Skalen für die korrekte Einstellung versehen. Der obere und untere Teil werden einfach mit einer großen Schraube zusammengehalten. Nach dem Aufbau hält diese so gut, dass ich sie nie nachstellen musste.

Namjagbarwa NB360-I Nodalpunktadapter

Namjagbarwa NB360-I Nodalpunktadapter

Am oberen Teil befindet sich ein Gelenk mit dem der vertikale Winkel der Kamera festgelegt werden kann. Dies ist besonders für die Erstellung von mehrzeiligen- oder Kugelpanoramen interessant. Die Rasterung an diesem Gelenk funktioniert etwas anders als am Stativkopf.

Namjagbarwa NB360-I vertikales Gelenk

Namjagbarwa NB360-I vertikales Gelenk

Es stehen eine Schraube für jeweils 5°, 10° und 15° zur Verfügung. Das Gelenk lässt sich nur bewegen, wenn alle drei Schrauben durch einen Federmechanismus gelöst sind. Dreht man das Gelenk, so schnappen die Schrauben nach den entsprechenden Gradzahlen wieder ein um das Gelenk zu arretieren.
Meiner Meinung nach ist dies gut gelöst, da der vertikale Winkel im Allgemeinen nicht so häufig wie der horizontale Winkel verstellt wird. Ein mehrzeiliges Panorama kann daher Zeile für Zeile erstellt werden.

Die Kamera selbst wird durch eine normale Stativschraube befestigt. An dem kürzlich vorgestellten Fittestphoto L-Winkel befindet sich ein passendes Gewinde, sodass ich diesen nicht einmal abnehmen muss.

Nikon D810 mit L-Winkel und Namjagbarwa NB360-I

Nikon D810 mit L-Winkel und Namjagbarwa NB360-I

Damit nicht bei jedem Einsatz der Nodalpunkt erneut gesucht werden muss, liegt dem Set noch eine Arca Swiss Klammer bei, mit der der richtige Befestigungspunkt der Kamera gewählt werden kann. Da ich bisher nur mein Sigma 35mm f/1.4 Objektiv mit dem Panoramakopf verwendet habe, war dies sehr hilfreich.

Namjagbarwa NB360-I Nodalpunkt-Markierung

Namjagbarwa NB360-I Nodalpunkt-Markierung

Für mich handelt es sich um einen wirklich gelungenen Panoramakopf, der auch richtig schweres Gerät stabil in Position hält. Falls ihr auf den Geschmack gekommen seid, könnt ihr ein solches Exemplar hier erwerben. Preislich ist der Namjagbarwa NB360-I etwas günstiger als die Systeme des hierzulande beliebten Herstellers Novoflex.

Blaue Stunde in Hamburg

So eine technische Beschreibung ist zwar ganz nett, aber viel interessanter sind die Ergebnisse, die man nun damit erzielen kann. Da ich einen Besuch in meiner Heimatstadt Hamburg geplant hatte, nutzte ich die Gelegenheit, um die Bilder für diesen Test gleich dort zu erstellen.
Das Fotografieren zur Blauen Stunde in München hat mir viel Freude bereitet, sodass ich das gleiche in Hamburg wiederholt habe.
Auch Hamburg bietet besonders am Hafen und in der Speicherstadt interessante Motive, die sich perfekt für die Erstellung von Panoramen eignen.
Nach kurzem Aufbau des Nodalpunktadapters erstellte ich sieben Einzelaufahmen. Diese wurden erst am PC entwickelt und dann mit der freien Software Hugin in ein Panorama verwandelt. Dafür wirft man der Software die Einzelaufnahmen vor die Füße – der Rest geht weitestgehend automatisch.

Panorama Speicherstadt Hamburg

Panorama Speicherstadt Hamburg

Wie weiter oben erwähnt, erlaubt der Nodalpunktadapter auch die Erstellung mehrzeilige Panoramen. Ein Motiv am Hafen bot sich für die Erstellung eines zweizeiligen Panoramas an. Aus insgesamt 14 Aufnahmen entstand so eine 180° Ansicht mit Hafen und Elbphiharmonie kurz nach Sonnenuntergang.

Panorama Hamburger Hafen

Panorama Hamburger Hafen

Im Gegensatz zum ersten Panorama ist der etwas größere vertikale Winkel zu erkennen.

Und jetzt seid ihr gefragt

Habt ihr auch Erfahrungen mit dem Nodalpunktadapter oder fragen zu dessen Verwendung? Kennt ihr schöne Orte für die Panoramafotografie? Dann lasst uns daran teilhaben und hinterlasst einen kurzen Kommentar.

 

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