Nikon D810 – Erfahrungen mit dem Vollformat

Nikon D810 vorne links

Seit etwa 7 Monaten verwende ich die Nikon D810 für die unterschiedlichsten Fotosituationen. Erfahrt in diesem Beitrag was ich mit ihr erlebt habe, was mir an ihr gefällt und was nicht.

Nach mehreren Jahren Urlaubsfotografie mit der Nikon D3000, war es an der Zeit meine Fototasche mit einer Kamera für eine anstehende USA-Rundreise aufzurüsten. Die Nikon D3000 war mir stets ein treuer Begleiter, aber bei der Bedienung und besonders bei ISO-Werten jenseits der 400, erwarte ich bei einer Neuanschaffung Potential nach oben.

Auf der Suche nach einer Kamera informierte ich mich eingehend über das Thema und fand heraus, dass die Veröffentlichung der Nikon D810 kurz bevorstand. Eine neue Vollformatkamera mit 36mp Sensor, sehr hohem Dynamikumfang und ohne Tiefpassfilter vor dem Sensor, um für mehr Schärfe in den Fotos zu sorgen.

Mit dem Tamron 24-70mm f/2.8 und dem Tamron 70-200mm f/2.8 waren bereits zwei Vollformatobjektive in meine Fototasche eingezogen, sodass der Wechsel zum Vollformat keine größeren Hürden darstellte.

Die Entscheidung war gefallen: Die Nikon D810 sollte mich zusammen mit den Vollformatobjektiven, auf die USA-Rundreise begleiten, um ihre Stärken bei allem was mir vor die Linse kommt zu beweisen.

Sieben Monate sind seitdem vergangen und wir haben viel zusammen erlebt. In zahlreichen Situationen hat die Nikon D810 gezeigt was sie kann. Oft bot sie mir, im Vergleich zu anderen anwesenden Hobbyfotografen, die entscheidenden Reserven bei der ISO-Performance. In den Antelope Canyons konnte ich munter fotografieren, während andere bereits mit ihrem Blitzen kämpften oder ganz aufgaben. Auch beim Fotografieren der Milchstraße hat sie treu ihren Dienst verrichtet und eingefangen was mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar war.

Nikon D810: Verarbeitung

Die Nikon D810 ist für die Ewigkeit gebaut. Sie fühlt sich an, als hätte man von einen Block Metall alles weggemeißelt was nicht nach D810 aussah. Damit diese Skulptur von einer Kamera gut in der Hand liegt, wurden häufig berührte Bereiche mit einer Gummierung versehen. Geschickt gesetzte Wölbungen runden das Paket ab und sorgen dafür, dass sich der Kameragriff ergonomisch an die rechte Hand anschmiegt.

Nikon D810 mit ergonomischem Griff

Nikon D810 mit ergonomischem Griff

Alle Knöpfe besitzen einen präzisen Druckpunkt und hinterlassen das Vertrauen, dass auch häufiges Betätigen sie nicht aus der Ruhe bringen wird. Je ein Stellrad vorne und hinten für Blende und Belichtungszeit rasten knackig ein und erlauben dadurch stets die richtige Position zu finden.
Die frei konfigurierbaren Zusatztasten an Vorder- und Rückseite sind so angeordnet, dass meine Finger sie inzwischen auch blind beim ersten Versuch finden.
Nur die Taste für das Bracketing schafft es immer wieder sich geschickt vor meinen Fingern zu verstecken. Ein Punkt der zu verschmerzen ist, da ich den Knopf bisher nur verwende, wenn mein Gesicht ohnehin gerade nicht am Sucher klebt.
Als Nikon D3000 Benutzer war der Auslöser für mich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Der auf halben Weg erwartete Druckpunkt blieb aus und war eher als größer werdender Widerstand zu spüren. Die Feinmotorik hat sich aber inzwischen daran gewöhnt, sodass der Auslöser auch für mich genügend Feedback bereithält.

Nikon D810: Highlights

Als genetischer Nachfolger der Nikon D800 hat die Nikon D810 ihre positiven Eigenschaften geerbt und ein paar sehr interessante Neuheiten mit an Bord.

Der bei den meisten Kameras übliche Wert für die minimale Belichtungszeit von 1/4000s, leuchtete mir gelegentlich auf dem Kameradisplay entgegen, um mir deutlich zu sagen: Hier ist Schluss!
Die Nikon D810 hält mit 1/8000s eine gern willkommene Reserve bereit, mit der auch bei Tageslicht schnelle Bewegungen eingefroren werden können.

Um die Treffsicherheit des Autofokus, bei sich schnell bewegenden Motiven zu erhöhen, gibt es die neu eingeführten Fokusgruppen. Eine kreuzförmig angeordnete Vierergruppe an Fokuspunkten gibt der Kamera den Hinweis, sich auf diesen Bereich beim Fokussieren zu konzentrieren. Nur damit konnte ich einen extrem flinken Kolibri einfangen.

Kolibri beim Trinken

Kolibri beim Trinken

Für die Berechnung der Belichtungszeit wurde ein neuer, von mir in der Vergangenheit vermisster, Belichtungsmodus eingeführt. Zur Vermeidung von Spitzlichtern verwende ich häufig die Spotmessung zusammen mit dem Belichtungsspeicher, um auf die hellste Stelle im Bild zu belichten. Der neue Modus erledigt dies automatisch und erleichtert damit das Fotografieren bei sich häufig wechselnden Lichtsituationen.

An die Freunde der Landschaftsfotografie wurde ebenfalls gedacht. Neben der häufig anzutreffenden Spiegelvorauslösung, wurde ein zusätzlicher elektronischer Verschluss hinzugefügt.
Wie bereits in dem Zeitlupe Video zum Kameraverschluss gezeigt, erzeugen Spiegel und Verschluss nicht unerhebliche Vibrationen, die sich negativ auf die Schärfe eines Fotos auswirken können.
Um dem entgegen zu wirken besitzt die Nikon D810 einen optionalen elektronischen Verschluss. Mit eingeschalteter Spiegelvorauslösung wird erst der Spiegel hochgeklappt, dann der Verschluss geöffnet und nach kurzer Wartezeit der elektronische Verschluss geöffnet.
Mit dieser Funktion sollten sich die auftretenden Vibrationen auf ein Minimum reduzieren lassen. Ich aktiviere diese Funktion immer dann, wenn ich die Kamera an ein Stativ geschraubt habe.

Beim Fotografieren außerhalb der Komfortzone verwende ich häufig den Live-View Modus, um beim Blick durch den Sucher nicht im Dreck liegen zu müssen. Die somit erkaufte Sauberkeit der Klamotten bezahle ich aber immer wieder mit hoffnungslos schiefen Fotos.
Damit sich die Kamera im Live-View Modus einigermaßen gerade ausrichten lässt, kann ein elektronischer Horizont auf dem Kameradisplay eingeblendet werden. Das horizontale Ausrichten der Kamera wird damit erheblich erleichtert.

Hobbyfilmer können mit der Nikon D810 Full-HD Videos mit 60 Bildern pro Sekunden aufnehmen. Die erhöhte Anzahl an Bildern ermöglicht sogar leichte Zeitlupen.

Nikon D810: Bedienung

Die Nikon D810 hält für alle wichtigen Funktionen einen Knopf bereit. Neben den obligatorischen Rädchen für Blende und Belichtung, findet sich auch die weit verbreitete Taste für die Belichtungskorrektur in direkter Reichweite der rechten Hand. Die etwas seltener benötigten Einstellungen für ISO, Weißabgleich, die Messmethode für die Belichtung und die Einstellung für die Bildqualität befinden sich oben links auf der Kamera.
Diese Tasten werden mit der linken Hand bedient, um mit der rechten Hand und den Einstellrädchen die Einstellungen zu verändern. Sobald sich die linke Hand die Position der vier Tasten eingeprägt hat, funktioniert das auch während man durch den Sucher guckt.

Nikon D810. Seltener benötigte Funktionen oben links.

Nikon D810. Seltener benötigte Funktionen oben links.

Von eigentlich allen digitalen Spiegelreflexkameras von Nikon kennt man auch die häufig unterschätze AE-L/AF-L-Taste, die sich an der Rückseite der Kamera befindet. Diese Taste kann mit einer von drei Funktionen auf die eigenen Vorlieben angepasst werden:

  1. Speichern des aktuellen Fokus.
  2. Speichern der aktuellen Belichtung.
  3. Speichern des aktuellen Fokus und der aktuellen Belichtung.

Insbesondere beim Fotografieren von Motiven im Randbereich des Suchers, kann dies sehr hilfreich sein.
Direkt neben der AE-L/AF-L Taste hat die Nikon D810 eine AF-On Taste, um den Autofokus auch ohne den Auslöser zu aktivieren.
Ich verwende die AF-On Taste um auf einen bestimmten Bereich zu fokussieren und diesen mit der AE-L/AF-L Taste gleich im Anschluss zu speichern. Mit gedrückter AE-L/AF-L Taste bewege ich dann die Kamera zu dem Ausschnitt, den ich eigentlich fotografieren möchte.

Nikon D810 AF-L/AE-L und AF-On Tasten

Nikon D810 AE-L/AF-L und AF-On Tasten

An der Vorderseite der Kamera befinden sich zwei weitere konfigurierbare Tasten. Ich habe die eine Taste mit der Abblend-Funktion und die andere mit dem Belichtungsspeicher belegt.
Wem all die Tasten und Rädchen nicht ausreichen, der kann alle weiteren wichtigen Funktionen in einem Benutzermenü ablegen. Ich habe mir dort beispielsweise die Einstellungen für die „Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung“ und die „Spiegelvorauslösung“ hinzugefügt.
Alles in Allem lässt sich die Nikon D810 sehr schnell für ein bestimmtes Foto konfigurieren. Der Besuch in einem der Menüs ist eine seltene Ausnahme.

Nikon D810: Bildqualität

Das Wichtigste bei einem Modell, welches ein respektables Loch in den Geldbeutel reißt, ist sicherlich die Bildqualität. Dabei war für mich insbesondere das Rauschverhalten bei ISO-Werten jenseits der 800 wichtig.
Natürlich erzeugt auch die Nikon D810 sichtbares Bildrauschen, aber die Fotos sind trotzdem sehr gut zu gebrauchen. Bei der Nikon D3000 führen ISO-Werte jenseits von 400 zu sehr unschönen Bildfehlern inklusiv unkontrolliert leuchtender Pixel. Bei der Nikon D810 entsteht eher ein körniger Filmeindruck.

Obstteller mit ISO 1600

Obstteller mit ISO 1600
50mm, f/4.0, 1/30s, ISO 1600

Beim Fotografieren der Milchstraße musste die Nikon D810 beweisen, ob sie das menschliche Sehvermögen übertreffen kann. Diese Aufgabe hat sie mit Bravour gemeistert. Die kaum mit bloßem Auge erkennbare Milchstraße, konnte durch den hohen Informationsgehalt der RAW-Dateien, in der Nachbearbeitung sehr gut herausgearbeitet werden.

Milchstraße mit ISO 6400

Milchstraße
24mm, f/2.8, 5s, ISO 6400

Mit einem Standard ISO-Wert von 64 erreicht die Nikon D810 aber auch bei Tageslicht eine herausragende Detailauflösung.

Detailreiche Landschaft bei ISO 64

Detailreiche Landschaft
24mm, f/11, 1/60s, ISO 64

Was gefällt mir an der Nikon D810?

Die Nikon D810 ist ein richtiges Arbeitstier. Ob wunderschöne Sonnenaufgänge, schlecht ausgeleuchtete Canyons, oder Fotos der Milchstraße – sie hat mich in keiner Situation enttäuscht und immer souverän ihren Job gemacht.
In den wenigen Situationen bei denen die Ergebnisse nicht meinen Erwartungen entsprachen, befand sich das Problem stets hinter der Kamera.
Nach intensivem Studium der unzähligen Einstellmöglichkeiten, wird der geduldige und experimentierfreudige Fotograf, mit einem perfekt auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmten Werkzeug, belohnt.
Der enorme Dynamikumfang erlaubt so manche Entdeckung bei auf den ersten Blick nicht brauchbaren Fotos. Schon häufig entdeckte ich wahre Schätze an Bildinhalten, die ich für immer in den Tiefen des Fotos für verschollen gehalten habe. Aber dem Auge der Nikon D810 entgeht (fast) nichts.

Was gefällt mir nicht an der Nikon D810?

Ein Produkt dieser Preisklasse sollte eigentlich keine Wünsche offen lassen, aber irgendetwas gibt es ja immer zu verbessern. Natürlich ist dies meckern auf extrem hohen Niveau, aber etwas Luft nach oben ist auch bei der Nikon D810.
Da wäre zum Beispiel der Verzicht auf ein GPS-Modul. Es ist für mich unverständlich warum die High-End Modelle kein eingebautes GPS bekommen. Jedes Smartphone hat heutzutage GPS und die um ein Vielfaches günstigere Nikon D5300 ist ebenfalls damit ausgerüstet.
Etwas in die Jahre gekommen ist auch der CF-Karten-Slot. Die Verwendung von zwei SD-Karten, wie es auch bei der Nikon D7100 gemacht wurde, ergibt für mich mehr Sinn. Mangels CF-Karte bleibt der Slot daher bei mir nur ein Ort zum Staub ansammeln.
Für eine unkomplizierte Synchronisation der Fotos mit dem Computer wäre eine Wifi Schnittstelle auch eine nette Hilfe gewesen. Ohne das umständliche Anstecken des USB-Kabels könnte die Kamera sogar automatisch, beim Verbinden mit dem heimischen Netzwerk, mit dem Computer synchronisiert werden.
Ein schwenkbares Display steht ebenfalls ganz oben auf meiner Wunschliste. Besonders bei bodennahen Aufnahmen kann man sich so das Suhlen im Schlamm sparen.

Zu guter Letzt finde ich zwar Videoaufnahmen mit 60 Bildern pro Sekunde in Full-HD ein gutes Feature, aber eine 4k Auflösung hätte sicher nicht geschadet um Videos für hochauflösende Bildschirme zu erzeugen.

Einige der genannten Funktionen wurden in die Nikon D750 integriert, aber diese kam erstens erst kurz nach der Nikon D810 auf den Markt und zweitens ist sie etwa 1200€ günstiger. Es hätte daher nicht geschadet die Nikon D810 ebenfalls damit auszustatten.

Und jetzt seid ihr gefragt

Was sind eure Erfahrungen mit der Nikon D810? Habt ihr Tipps für bestimmte Einstellungen? Oder überlegt ihr ob die Nikon D810 auch für euch die richtige Kamera ist? Dann lasst uns daran teilhaben und hinterlasst doch einfach einen Kommentar.

Similar posts

2 Kommentare

  1. Thomas H.'s Gravatar Thomas H.
    14. Dezember 2016    

    Guter Bericht über die D810. Zum CF-Kartenslot möchte ich aber wohl anmerken, daß die CF-Karte für diese Kamera das schnellere Speichermedium ist (wenn Du die Spitzenmodelle gegenüberstellst). Dazu gibt es hier interessante Ergebnisse: http://www.cameramemoryspeed.com/nikon-d810/fastest-sd-cf-card-speed-tests/

    Viele Grüße
    Thomas

    • 16. Dezember 2016    

      Hallo Thomas,

      das ist zwar richtig, aber ich hatte bisher nie Probleme mit der Geschwindigkeit der Speicherkarte. Der interne Speicher der D810 ist recht groß bemessen, sodass das Schreiben der Bilder auf die SD-Card gemütlich im Hintergrund erledigt wird. Wenn man häufig im Dauerfeuermodus arbeitet, dann ist die CF-Card aber wahrscheinlich im Vorteil. Das Auslesen, besonders bei einer großen Anzahl an Bildern, geht damit natürlich auch schneller.

      Viele Grüße

      Sven

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.