Milchstraße fotografieren

Milchstraße

Vielleicht habt ihr auch schon einmal Fotos von der Milchstraße gesehen und euch gefragt mit welchen Kameraeinstellungen so etwas gemacht wird. Um dem geneigten Milchstraßen-Fotografen einen Ansatzpunkt zu geben habe ich einige Tipps in diesem Artikel zusammengestellt.

Um die Milchstraße zu fotografieren gibt es mehrere Möglichkeiten. In diesem Beitrag beschreibe ich eine Variante die mit sehr wenig Aufwand nachgemacht werden kann. Es wird keine spezielle Nachführungs-Einheit benötigt und auch sonst keine spezielle Hard- oder Software.
Natürlich kann man nicht die gleichen Ergebnisse erwarten wie mit speziellem Zubehör, aber für die spontane Nachtfotografie ist es allemal ausreichend.

Da die Milchstraße ziemlich weit weg ist, kann man sie mit bloßem Auge kaum sehen. Um Dennoch ein Foto machen zu können muss möglichst viel Restlicht der Sterne eingefangen werden.
Der einfachste Weg so viel Licht wie möglich auf den Sensor zu bekommen, ist mit langen Belichtungszeiten zu arbeiten. Das Problem dabei ist, dass die Erde sich unaufhaltsam weiter dreht und daher aus punktförmigen Sternen lange Striche werden.
Das kann zwar auch interessant sein, ist aber nicht der Inhalt dieses Artikels.

Was benötige ich an Ausrüstung?

Kamera

Da wir das Restlicht der Sterne mit möglichst kurzen Belichtungszeiten einfangen wollen wird eine Kamera mit hohen ISO-Werten benötigt (etwa ISO-6400). Neben der puren Einstellbarkeit solcher Werte ist es von Vorteil wenn die Kamera gleichzeitig möglichst wenig Bildrauschen erzeugt. Dabei muss einfach ausprobiert werden bis zu welchen ISO-Werten die Fotos noch zu gebrauchen sind. Ich habe für die Aufnahmen weiter unten die Nikon D810 verwendet.

Zusätzlich sollte die  Kamera eine manuelle Blenden und Belichtungssteuerung erlauben. Vermutlich trifft dies auf so ziemlich jede Spiegelreflex- und Systemkamera zu und sollte daher kein Problem darstellen.

Objektiv

Hier kann man einfach dem Motto „Viel hilft viel“ folgen. In diesem Fall geht es um Lichtstärke. Also wird ein Objektiv mit möglichst kleinen Blendenwerten benötigt. Ich habe für die Fotos das Tamron 24-70mm f/2.8 bei Blende f/2.8 verwendet. Wer noch lichtstärkere Festbrennweiten zur Hand hat sollte diese einsetzen.

Stativ

Für das Foto der Milchstraße werden mehrere Sekunden Belichtungszeit benötigt. Ohne ein möglichst stabiles Stativ dürfte es schwierig werden ein halbwegs scharfes Bild zu erhalten. Ich habe für die Bilder mein Sirui T-1004X Reisestativ mit Sirui G-10X Kugelkopf verwendet. Es gibt sicherlich stabilere Stative, aber es hat auch damit ganz gut funktioniert.

Wo kann ich die Milchstraße fotografieren?

Um das Restlicht der Milchstraße für ein Foto einfangen zu können bedarf es einer möglichst niedrigen Lichtverschmutzung. Die Großstadt ist also eher nicht geeignet. Auf der Internetseite von Hans-Jürgen Merk findet man eine Karte mit der Lichtverschmutzung der Erde. Schaut man sich auf der Karte die Region um Page und Zion in den USA an, so findet man dort eine sehr geringe Lichtverschmutzung. Dort wurden die Fotos der Milchstraße aus diesem Beitrag gemacht.
Hat man einen geeigneten Ort gefunden muss man die Milchstraße nur noch finden. Dank der geringen Lichtverschmutzung konnte ich sie als sehr schwache wolkenartige Struktur ausmachen. Ob man sie erwischt hat kann man dank der hohen ISO-Werte recht gut auf dem Kamerabildschirm sehen.

Was muss ich beim Fotografieren der Milchstraße beachten?

Sind alle Vorbereitungen getroffen kann es losgehen. Die Kamera wird am besten in den manuellen Modus versetzt um Blende und Belichtungszeit per Hand wählen zu können.

Bildstabilisator

Sollte das Objektiv einen Bildstabilisator besitzen, so muss dieser zunächst deaktiviert werden. Andernfalls kann das Bild unscharf werden, da der Bildstabilisator bei langen Belichtungszeiten versucht nicht vorhandene Bewegungen auszugleichen.

Fokus

Eventuell funktioniert der Autofokus in der Dunkelheit der Nacht nicht zuverlässig. Aus diesem Grund sollte man vor der Aufnahme den Fokus auf unendlich stellen. Dafür wird ein möglichst weit entfernter Punkt fokussiert und der Autofokus anschließend abgeschaltet.
Alternativ kann der Fokus auch am Objektiv mit Hilfe der Fokusskala manuell eingestellt werden. Auf dieser ist normalerweise auch ein ∞ aufgedruckt. Leider kann man sich nicht so ganz darauf verlassen, dass der Fokus damit auch wirklich auf unendlich eingestellt ist. Man sollte daher bei Tageslicht ein weit entferntes Objekt fokussieren und sich dann eine Markierung auf dem Objektiv anbringen um die Einstellung später wieder vornehmen zu können.

Blende

Die Blende wird auf den kleinstmöglichen Wert gestellt um möglichst viel Restlicht einzufangen. Bei meinem Objektiv ist bei f/2.8 der kleinste Wert erreicht.

ISO

Je höher der ISO-Wert ist, desto kürzere Belichtungszeiten können verwendet werden. Hier muss man mehrere Einstellungen ausprobieren um zum Einen möglichst wenig Bildrauschen zu erhalten und zum Anderen nicht so lange zu belichten, dass die Sterne nur noch als Striche abgebildet werden. Ich habe zum Anfang 6400 als ISO-Wert gewählt.

Belichtungszeit

Aufgrund des hohen ISO-Wertes kann mit relativ kurzen Belichtungszeiten gearbeitet werden. Ich habe 5 Sekunden verwendet. Dies reicht noch aus um punktförmige Sterne zu erhalten.

Auslösen

Um beim eigentlichen Fotografieren möglichst nicht zu verwackeln kann man einen Fernauslöser verwenden. Hat man gerade keinen zur Hand, geht auch die Timer-Funktion der Kamera. Wenn die Kamera eine Spiegelvorauslösung unterstützt, sollte diese ebenfalls aktiviert werden. Dies sorgt dafür, dass der Spiegel schon vor dem belichten des Sensors hochgeklappt wird und damit keine Vibration durch den Spiegel entstehen können.

Mit den genannten Einstellungen habe ich dieses Foto gemacht:

Milchstraße

Milchstraße am Horseshoe Bend
24mm f/2.8 5s ISO 6400

Das Bild zeigt deutliches Bildrauschen ist aber meiner Meinung nach noch ganz gut zu gebrauchen. Mit deutlich längerer Belichtungszeit und dafür niedrigerem ISO-Wert habe ich folgendes Foto beim Zion National Park gemacht.

Milchstrasse in Zion

Milchstraße in Zion
24mm f/2.8 25s ISO 400

Bei diesem Foto ist das Bildrauschen geringer, aber dafür werden die Sterne bei genauerer Betrachtung bereits zu strichen. Man muss einfach etwas experimentieren um für sich passende Werte für ISO und Belichtungszeit zu finden.
Natürlich müssen die Bilder in der Nachbearbeitung noch angepasst werden. Neben dem Weißabgleich kann das Bild noch aufgehellt und die Farben verstärkt werden um die Milchstraße besser herauszuarbeiten.

Und nun seid ihr dran

Habt ihr Fragen, Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge zum Beitrag, so freuen wir uns über einen Kommentar.

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