Grauer Schnee – War es der Weißabgleich?

Warum wird Schnee eigentlich beim Fotografieren eher grau als weiß? Woher das kommt und was man dagegen machen kann erkläre ich in den folgenden Zeilen damit in Zukunft jeder wunderschöne Winterlandschaften fotografieren kann.

Die aktuellen, winterlichen Temperaturen und die schneebedeckte Landschaft laden zum Fotografieren von Winterlandschaften ein. Das Motiv wurde sorgfältig gewählt, Belichtung, Blende und Brennweite akribisch bestimmt und das Wunschfoto auf die Speicherkarte verbannt. Beim Betrachten der Fototrophäen am heimischen Computer stellt sich aber trotzdem eine Ernüchterung ein. Der ehemals weiße Schnee sieht gar nicht nicht mehr so sauber aus wie eben noch beim Fotografieren. Stattdessen wirkt das ganze Foto eher ein bisschen gräulich.

Grauer Schnee

Grauer Schnee direkt aus der Kamera

Habe ich einen falschen Weißabgleich gewählt?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Vermutlich nicht. Wenn die Fotos nicht gerade während der Dämmerung oder zum Sonnenuntergang entstanden sind, dann hat der automatische Weißabgleich wahrscheinlich alles richtig gemacht.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann in der digitalen Nachbearbeitung den Schnee als Referenzwert wählen, um den Weißabgleich richtig einzustellen.
Aber warum ist der Schnee dann grau?
Die Ursache dafür ist nicht der Weißabgleich sondern die Belichtungsmessung. Um dieses Problem besser zu verstehen, gehe ich kurz auf die Funktionsweise der Belichtungsmessung ein.

Wie funktioniert die Belichtungsmessung?

Je länger ein Bild belichtet wird, desto heller wird es. So weit, so einfach. Bei der Berechnung der Belichtungszeit wird ein Bereich aus dem Bild gewählt und für diesen die Belichtungszeit berechnet. Bei der Spotmessung wird nur ein sehr kleiner Bereich in die Berechnung einbezogen und bei der mittenbetonten Messung ein etwas größerer.
Um zu bestimmen, wie lange das Bild belichtet werden muss, nimmt die Kamera an, dass der gewählte Bereich ca. 18%igem Grau entspricht.
Ist der Bereich für die Belichtungsmessung schwarz, so verlängert die Kamera die Belichtungszeit und macht somit aus tiefem Schwarz Dunkelgrau.
Wählt man dagegen einen Bereich wie den zu fotografierenden weißen Schnee, so verringert die Kamera die Belichtungszeit, was zu einer hellgrauen Abbildung führt.

Und genau da ist das Problem. Die Kamera kann nicht wissen, dass wir richtiges Weiß fotografieren wollen. Sie berechnet einen Wert für die Belichtungszeit, der im allgemeinen zu einem korrekt belichteten Bild führt, aber eben nicht für das Fotografieren von Schnee geeignet ist.
Den gleichen Spaß hat man übrigens bei allen hauptsächlich weißen Motiven. Hochzeitsfotografen können da sicher ein Lied von singen, wenn sie Brautkleider fotografieren.

Wie bekomme ich den Schnee weiß?

Die Lösung um den grauen Schnee weiß zu bekommen ist denkbar einfach. Wir wissen nun, dass die Belichtungsmessung der Übeltäter ist. Also ist es logisch die Belichtung zu ändern, um weißen Schnee zu erhalten. Beim Fotografieren kann dies leicht mit der Belichtungskorrektur erreicht werden. Einfach den Wert auf +1 bis +2 stellen und wie gewohnt das Foto machen.

Weißer Schnee

Weißer Schnee nach Belichtungskorrektur

Wer im RAW Format fotografiert kann diese Anpassung auch problemlos in der Nachbearbeitung machen. Auch dort kann die Belichtung einfach angepasst werden, bis der Schnee schön weiß ist. Aber bitte nicht übertreiben, sonst werden die hellen Bereiche überstrahlt und ihr erhaltet Spitzlichter. Das Histogramm ist eine gute Hilfe für die Anpassung der Belichtung.

Histogramm ohne Belichtungskorrektur

Histogramm ohne Belichtungskorrektur

Das Histogramm ist von dem zuvor gezeigten Foto ohne Belichtungskorrektur. Auf der rechten Seite des Histogramms sind keine Ausschläge zu sehen. Dies zeigt, dass es gar keine weißen Anteile in dem Foto gibt.

Histogramm nach Belichtungskorrektur

Histogramm nach Belichtungskorrektur

Durch die Anhebung der Belichtung verschiebt sich das Histogramm auf die rechte Seite. Der Schnee sieht nun schon eher wie in freier Wildbahn aus.

Und jetzt seid ihr gefragt

Habt ihr auch positive oder negative Erfahrungen mit dem Fotografieren von Schnee? Dann lasst uns daran teil haben und hinterlasst doch einfach einen Kommentar.

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