Grand Canyon – Fotografieren mit Weitblick

Im August 2014 begaben meine Frau und ich uns auf eine Rundreise durch die Nationalparks im Westen der USA. Wir flogen von München nach Las Vegas und besuchten zahlreiche Orte die das Herz von Naturliebhabern und Fotografen höher schlagen ließen. Unser erstes Ziel war der Grand Canyon in Arizona.

Ausrüstung

Durch die Erfahrung der letzten Reisen wusste ich, dass ich mit meiner Nikon D3000 bei schlechten Lichtverhältnissen schnell an die Grenzen Stoße. Daher wurde meine Fototasche bereits um die Vollformat Objektive Tamron 24-70mm f/2.8 und das Tamron 70-200mm f/2.8 erweitert.
Um das Trio zu vervollständigen fehlte also nur noch die passende Kamera. Kurz vor der Reise hatte Nikon mit der D810 ein neues Modell für ambitionierte Hobby-Fotografen auf den Markt gebracht.
Vollformatsensor, 36MP, Standard-ISO von 64 und was mir als D3000 Benutzer sehr wichtig war: Für alle wichtigen Funktionen einen Knopf um nicht bei jeder Einstellung durch sämtliche Menüs pflügen zu müssen.

Die D810 sollte mich also auf der Reise durch die Nationalparks begleiten. Ich dachte, dass ich aus technischer Sicht mit der Kamera und den Objektiven gut ausgerüstet war. Diese Annahme hatte ich allerdings gemacht ohne die Ausmaße des Grand Canyon zu kennen.

Wahrscheinlich ist es unmöglich die Dimensionen auf Fotos einzufangen. Ein Objektiv mit einem größeren Weitwinkelbereich hätte sicherlich etwas geholfen, aber da ich keines besitze musste es so gehen.

America The Beautiful Pass

Ein kleiner Tipp für diejenigen die ebenfalls eine Rundreise durch die USA planen: Wer mehrere staatliche Nationalparks besuchen möchte der sollte sich den „America The Beautiful Pass“ kaufen. Dieser kostet 80$ pro Fahrzeug und ist ein ganzes Jahr lang gültig. Ausgestattet mit diesem Pass kann man viele Nationalparks besuchen ohne jedes Mal Eintritt bezahlen zu müssen. Leider funktioniert das nicht für die Sehenswürdigkeiten die sich auf dem Land der Navajo Indianern befinden. Dazu gehören z.B. die beiden Antilope Canyons und das Monument Valley.

Grand Canyon

Gleich hinter dem Besucherzentrum gelangt man zum Rand des Grand Canyons. Es war einfach überwältigend am Abgrund zu stehen und diese Ausmaße zu sehen. Jeder kennt es am Strand zu stehen und bis zum Horizont zu schauen. Man kann die Krümmung der Erde sehen und plötzlich endet das Wasser am Horizont.
Am Grand Canyon kann man ebenfalls den Horizont sehen, nur gibt es dort anstelle von Wasser zahlreiche Schluchten und Felsen die den Eindruck der Entfernung noch verstärken.

Gegenlichtaufnahme vom Grand Canyon sehr weite Sicht

Unendliche Weiten
24mm f/11 ISO 64 1/320s

Bei der Nachbearbeitung ist mir aufgefallen, dass viele Fotos in den entfernten Bereichen etwas unscharf sind. Ich habe versucht mir das mit der Entfernung zu erklären. Einige Felsen sind immerhin 10 Meilen vom Sensor entfernt, sodass das Objektiv an die Grenzen der Auflösung stößt. Details werden daher nicht so genau abgebildet wie beim Fotografieren von Schmetterlingen.

Was mir ebenfalls Schwierigkeiten bereitete ist die Menge an Atmosphäre die sich zwischen Kamera und der anderen Canyon-Seite befindet. Obwohl der Himmel meistens klar war erwecken die Fotos den Eindruck als wäre die Luft erfüllt von etwas Nebel gewesen. Die Verwendung eines Polfilters schaffte etwas Abhilfe aber entfernte Hintergründe wirken dennoch etwas diesig.

Vordergrund mit Felskante und Gewächsen. Hintergrund Grand Canyon

Grand Canyon im Hintergrund
24mm f/5 ISO 64 1/320s

Wegen der beeindruckenden Landschaft war die Motivauswahl gar nicht so einfach. Egal in welche Richtung man blickt, man hat immer eine schöne Aussicht. Um dennoch nicht einfach nur Steine zu fotografieren habe ich versucht Motive im Vordergrund zu finden und den Grand Canyon als Hintergrund verwendet.

Bereits wenige Minuten nach der Ankunft ist mir ein mutiges kleines Squirrel vor die Linse gelaufen. Es setzte sich direkt an die Kante des Grand Canyons und posierte geduldig ein paar Minuten wie ein Fotomodell. So hatte ich sogar Zeit das Objektiv zu wechseln um diesen Moment auf ein paar Fotos festzuhalten.

Squirrel direkt an der Kante vom Grand Canyon

Mutiges Squirrel
70mm f/5.6 ISO 64 1/250s

Wir hatten gelesen, dass es am Grand Canyon mehrere Aussichtspunkte gibt an denen man den Sonnenuntergang sehr gut fotografieren kann. Einer dieser Punkte ist der Hopi Point welcher einige Meilen vom Besucherzentrum entfernt liegt.
Um dorthin zu gelangen kann man entweder den kostenlosen Shuttle Bus nehmen oder direkt am Grand Canyon auf einem befestigten Weg entlangwandern.

Wir haben uns für die Wanderung entschieden und konnten dadurch noch das ein oder andere Motiv in Abendstimmung einfangen. Bei all der Schönheit der Natur haben wir die Zeit etwas aus den Augen verloren, sodass wir uns beeilen mussten um noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang den Hopi Point zu erreichen.

Eine Schlucht zieht sich durch den Grand Canyon vom Betrachter zum Horizont

Tiefe Schluchten im Grand Canyony
24mm f/5.6 ISO 64 1/100s

 

Auf dem Weg beobachteten wir einen Raben, der sich im Wind treiben lies. Im richtigen Moment abgedrückt entstand ein Foto welches die Flügel im Abendlicht leuchten lies.

Rabe mit leuchtenden Flügeln

Rabe im Abendlicht
70mm f/5.6 ISO 64 1/800s

Als die Wolken sich verdichteten überlegten wir schon ob sich der Weg überhaupt noch lohnt. Tatsächlich war dies das beste was uns passieren konnte. Auch wenn die Sonne lange Zeit verdeckt war, eines stand fest: Sollte die Sonne wie jeden Abend untergehen, so musste sie noch einmal unter der Wolkendecke hervorschauen. Und das tat sie dann auch auf beeindruckende Weise.

Sonnenstrahlen im Canyon kurz vor Sonnenuntergang am Hopi Point

Hopi Point Sonnenuntergang
32mm f/11 ISO 100 1/13s

Die Fotos zum Sonnenuntergang sind mit meinem Sirui T-1004X Reisestativ und dem Sirui G-10X Kugelkopf entstanden. Da das Stativ zusamnengefaltet sehr kompakt und leicht ist, hatte ich es fast immer mit dabei. Es lässt sich problemlos am Rucksack befestigen und stört dort nicht.
Eine kurze Zeit lang hat die Sonne ein wunderschönes Lichtspiel in den Canyon gezaubert. Der Hopi Point ist auch einer der wenigen Orte an denen sich der Colorado River zeigt. Meistens fließt er so tief in der Felsspalte, dass man ihn gar nicht sehen kann.

Bis zum endgültigen Untergang der Sonne wurde der Canyon in sehr schönes Licht getaucht. Die Felsen reflektieren das Sonnenlicht in warmen Farben bis die Sonne endgültig hinter dem Horizont verschwunden ist.

Der Himmel färbt sich rot-orange als die Sonne hinter der Felskante verschwindet

Die letzten Sonnestrahlen
30mm f/11 ISO 100 1/5s

Der Sonnenuntergang gefiel uns so gut, dass wir auch den Sonnenaufgang sehen wollten. Dummerweise liegen zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nur wenige Stunden, sodass wir am frühen Morgen wieder von unserer Unterkunft zum Grand Canyon aufbrechen mussten.

Etwas erleichtert wurde uns das frühe Aufstehen durch den noch vorhandenen Jetlag. Pünktlich um 4:00 Uhr morgens war die innere Uhr der Meinung, dass dies die perfekte Zeit zum Aufstehen ist.

Zu dieser Jahreszeit geht die Sonne direkt hinter einem Fels auf der den Frühaufsteher mit intensiven Lichtstrahlen um den Gipfel belohnt.

Die Sonne geht direkt hinter einem Felsen auf wodurch Lichstrahlen an der Felsspitze entstehen

Sonnenaufgang hinterm Felsen
70mm f/11 ISO 64 1/320s

Der weitere Verlauf der Sonne hat den Grand Canyon in warme Farben gehüllt die sehr schön von den Steinen am Rand reflektiert wurden und zahlreiche Gelegenheiten zum Fotografieren erzeugten.

Der Grand Canyon in warmen Farben

Goldene Stunde am Grand Canyon
24mm f/11 ISO 64 1/125s

Wir haben die Zeit am Grand Canyon sehr genossen und auch das Fotografieren war eine wahre Freude. In jeder Richtung gab es schöne Landschaftsmotive und gelegentlich auch die Möglichkeit Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Sollte ich noch einmal die Gelegenheit haben dort zu sein, werde ich aber noch ein Objektiv mit einem größeren Weitwinkel mitnehmen.

Wenn euch der Artikel gefallen hat, oder ihr Fragen habt, so schreibt sie doch einfach in die Kommentare.

Similar posts

2 Kommentare

  1. MartinGauss's Gravatar MartinGauss
    11. Mai 2016    

    Sehr schöne Bilder! Nach Sonnenuntergang ging es dann wohl mit dem Bus zurück?

    • 11. Mai 2016    

      Danke Martin,

      Richtig. Mit dem Bus ging es zurück zum Hotel. Sogar am nächsten Morgen vor dem Sonnenaufgang sind die Busse bereits gefahren.

      Viele Grüße

      Sven

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.