Antelope Canyon und der Weißabgleich

Lower Antelope Canyon

Eines der zahlreichen Highlights während meiner USA Reise war mit Sicherheit der Besuch in Page in Arizona. Jeder der die Gelegenheit hat dort vorbei zu kommen sollte sich auf keinen Fall den Horseshoe Bend und die Antelope Canyons entgehen lassen. Auf die Herausforderungen beim Fotografieren dieser Orte gehe ich in den folgenden Artikeln ein.

In einem der letzten Posts hatte ich bereits über das Fotografieren am Grand Canyon berichtet. Von dort ging die Reise weiter nach Page. Ein kleiner Ort in Arizona der vor allem für die Antelope Canyons und den Horseshoe Bend berühmt ist. Wer etwas mehr Zeit hat kann sich auch noch die Aussichtspunkte in der Umgebung ansehen oder den Glen Canyon Staudamm besichtigen. Dieser ist nur 10m kürzer als der Hoover Staudamm, nicht so überlaufen und die Führung ist mit 5$ pro Person auch noch sehr günstig.

Als ich das erste Mal eines der berühmten Fotos vom Antelope Canyon sah wusste ich sofort, dass ich dort auch einmal zum Fotografieren hin möchte. Es war ein Foto von Lichtstrahlen die senkrecht in die Felsschlucht fielen. Jeder der mit der Erwartungshaltung solche Fotos einfach so machen zu können nach Page fährt sei gewarnt: Die Bilder sind zwar echt, aber man braucht schon sehr viel Glück für derartige Fotos. Dazu später mehr.

Zuerst fanden wir heraus, dass es nicht nur einen Antelope Canyon gibt, sondern gleich zwei. Den Upper Antelope Canyon und den Lower Antelope Canyon. Die typischen Fotos mit den Lichtstrahlen stammen aus dem Upper Antelope Canyon.

Beide befinden sich auf dem Grund und Boden der Navajo Indianer und können auch nur geführt besichtigt werden. Wir haben zwar auch ungeführte Fotografen entdecken können, konnten aber nicht herausfinden wie die das geschafft haben.

Bei den Canyons handelt es sich um so genante Slot-Canyons. Dies sind mitunter sehr enge Felsspalten die auch heute noch regelmäßig von Wasser durchflutet werden. Dadurch entstehen diese interessanten Felsformationen an den Wänden.

Spiralformation durch Wasser in den Felsen des Antilope Canyons gespült

Wasser formte den Fels
30mm f/4.0 1/50s ISO 800

Neben all ihrer Schönheit sind diese Formationen gleichzeitig eine Warnung. Auch wenn es in Page direkt nicht regnet sollte man das Wetter der Umgebung beachten. Bei schlechtem Wetter können Springfluten entstehen die keine Rücksicht auf sich im Canyon befindende Touristen nehmen. Informationen über die aktuelle Wetterlage in und um Page kann man aber bei seiner Unterkunft bekommen.

Beide Canyons befinden sich sehr nah beieinander. Mit etwas Planung ist es also möglich beide an einem Tag zu besichtigen. Dazu fährt man am besten sehr früh direkt zum Upper Antelope Canyon. Nachdem man die Gebühr für das Gebiet der Navajo bezahlt hat, kann man sich für eine der Touren anmelden. Um die Mittagszeit ist es am teuersten, weil dort die Sonne senkrecht steht und somit die Chance auf Lichtstrahlen größer ist. Hat man noch einen der begehrten Plätze bekommen, so kann man zum Lower Antelope Canyon rüber fahren. Dabei muss man unbedingt die Quittung für das Navajo Land dabei haben. Andernfalls muss man die Gebühr beim Lower Antelope Canyon gleich noch einmal bezahlen.

Als Vorbereitung zum Fotografieren in den Canyons kann ich empfehlen Motive zu bevorzugen auf denen der Himmel nicht zu sehen ist. Ich habe leider erst bei der Nachbearbeitung gemerkt, dass ich selbst den großen Dynamikumfang der Nikon D810 an die Grenzen getrieben habe.

Bilder aus dem Canyon, auf denen gleichzeitig Himmel und Felsen zu sehen sind, waren extrem schwierig zu bearbeiten. Wenn man also keine Möglichkeit für HDR Aufnahmen hat, empfehle ich möglichst Motive ohne Himmel zu finden. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.

Felsen und Himmel mit hohem Dynamikumfang im Antilope Canyon

Gleichzeitig Himmel und Felsen
24mm f/8.0 1/200s ISO 200

Lower Antelope Canyon

Der Lower Antelope Canyon ist für all diejenigen interessant die das Schauspiel mit etwas mehr Ruhe genießen wollen. Die Anziehungskraft der Lichtstrahlen sorgen dafür, dass die meisten Touristen den Upper Antelope Canyon besuchen. Dazu kommt noch, dass die ca. 400 Meter des Canyons nur in eine Richtung durchlaufen werden. Der Rückweg erfolgt an der Oberfläche. Beim Upper Antelope Canyon ist der einzige Rückweg wieder durch den Canyon. Ein weiterer Umstand, der zu einer hohen Personendichte beiträgt.

Ich hatte mein kleines Sirui T-1004X Reisestativ und den Sirui G-10X Kugelkopf dabei und wurde auch prompt darauf hingewiesen, dass Stative nicht erlaubt sind. Ich vermute die Indianer haben die Erfahrung gemacht, dass wir Fotografen mit Stativ die Dauer der Tour sprengen. Das kann ich irgendwo verstehen und es ermöglichte der Nikon D810 zu zeigen was sie bei höheren ISO-Werten drauf hat.

Wir waren in einer kleinen Gruppe von etwa 10 Personen unterwegs und wurden von einer sehr netten Indianerin zum Canyon geführt. Nach ein paar Stufen auf einer steilen aber befestigten Treppe war man auch schon unten. Die Navajo wissen genau warum die meisten Touristen zum Canyon kommen. Zum Fotografieren. Und darauf waren sie bestens vorbereitet. Es wurde jedem Einzelnen erklärt wie er den Weißabgleich seiner Kamera einzustellen hat um möglichst gute Bilder zu erhalten.

Ich habe den Weißabgleich immer auf bewölkt um ein möglichst ausgeglichenes Histogram zu erhalten und passe ihn erst in der Nachbearbeitung an.

Im Nachhinein hätte mich noch ein Weißabgleich mit einer Graukarte interessiert um zu sehen welcher Wert wirklich der richtige ist. Da ich aber weder eine dabei hatte noch eine besitze, musste dies ausfallen.

Die Lichtausbeute im Canyon war erwartungsgemäß nicht besonders groß. Mit meinem Tamron 24-70mm f/2.8 war ich zwar von der maximalen Offenblende her ganz gut ausgerüstet, aber das Fotografieren mit Blende f/2.8 führt aufgrund der geringen Tiefenschärfe nicht immer zum gewünschten Ergebnis.

Also half nur den ISO-Wert für die meisten Bilder auf 200-800 zu erhöhen, um einigermaßen gut belichtete Bilder zu erhalten. Zusammen mit dem Bildstabilisator vom Objektiv hat das aber ganz gut funktioniert.

Blick durch den Antelope Canyon mit Boden und Himmel

Lower Antelope Canyon
24mm f/8.0 1/50s ISO 200

Es ist gar nicht so einfach auf die Schnelle geeignete Motive zu identifizieren. Der Canyon sieht einfach in jeder Richtung beeindruckend aus. Die Indianerin hat aber auch auf Motive aufmerksam gemacht die man nur durch deutliches Verlassen der Komfortzone aufnehmen konnte.

Lichtspiel an der Felswand des Antilope Canyons

Lichtspiel an der Felswand
24mm f/8.0 1/50s ISO 200

Viele Formationen haben von den Navajo Namen bekommen. Und so gibt es auch einige Geschichten die wir von unserer Führerin kennen lernen durften. Hier beispielsweise ein Gesicht mit offenem Mund.

Der Felsen ist wie ein Gesicht mit offenem Mund geformt

Gesicht im Felsen
24mm f/8.0 1/50s ISO 800

Nach unzähligen Felsformationen und Fotos wurde der Canyon immer flacher bis man letztendlich zurück zur Oberfläche gelangt ist. Von dort haben wir uns dann gleich auf dem Weg zurück zum Upper Antelope Canyon gemacht um an der zuvor gebuchten Tour teilnehmen zu können.

Upper Antelope Canyon

Unser Tag war so geplant, dass wir nach dem Lower Antelope Canyon den Upper Antelope Canyon besichtigen konnten. Wir haben uns für eine der teuren Touren um die Mittagszeit entschieden, da auch wir die berühmten Lichtstrahlen sehen wollten. Wer das ganze noch exklusiver möchte, kann auch noch eine spezielle Foto-Tour buchen. Bei dieser sind dann sogar Stative erlaubt und die Indianer räumen für ein besonderes Foto auch mal andere Touristen aus dem Bild. Das ganze hat mit 80$ pro Person aber auch seinen Preis.

Die Tour startet mit einer etwa 15min. Fahrt auf der Ladefläche eines Pickups zum Eingang des Canyons. Auf der Fahrt machte sich etwas Enttäuschung breit, da die Mittagssonne sich gerade schüchtern hinter eine Wolke versteckte. Die Aussicht auf Lichtstrahlen war also eher gering.

Während der Lower Antelope Canyon oben breit und unten schmal ist, ist es beim Upper Antelope Canyon genau andersrum. Dieser ist unten breiter als oben. Das führt zum Einen dazu, dass es noch weniger Licht zum Fotografieren gibt und zum Anderen entstehen die Lichtstrahlen wenn das Licht einen Weg durch die Felsen findet.

Der geworfene Sand macht den Lichstrahl im Lower Antelope Canyon sichtbar

Lichtstrahl im Upper Antelope Canyon
38mm f/5.6 1/80s ISO 800

Da die Sonne an diesem Tag nicht stark genug war gab es auch keine besonders schönen Lichtstrahlen. Ein bisschen schummeln kann man aber, wenn man jemanden dabei hat der eine Hand voll Sand in den Lichtkegel wirft. Bei diesem Bild hatten wir Glück, dass wir an der Fotografen Tour vorbeigekommen sind und der Indianer den Job des Sandwerfers wahrgenommen hat. Macht man das selber sollte man unbedingt auf andere Personen achten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese empfindlich auf Sand in den Haaren und Gesicht reagieren.

Die Felsspalte im Antilope Canyon wird von unten betrachtet und in warme Farben getaucht

Beeindruckendes Farbenspiel an den Felsen
30mm f/4.0 1/50s ISO 800

Auch ohne Lichtstrahlen ist der Upper Antelope Canyon ein schöner Ort zum Fotografieren. Es gibt viele Lichtspiele die sich wunderbar einfangen lassen. Alle Aufnahmen erfordern aber einen erheblichen Aufwand in der Nachbearbeitung. Für den Weißabgleich habe ich als Startwert auf „automatisch“ gestellt. Dies führt zunächst zu einer starken Verschiebung der Farbtemperatur in den bläulichen Bereich. Auch wenn man die Umgebung eher als warm in Erinnerung hat werden dadurch mehr unterschiedliche Farben sichtbar sobald man die Sättigung anhebt.Nach dem Weißabgleich habe ich die Bereiche herausgearbeitet die ich auf den jeweiligen Fotos am interessantesten fand.

Wir hoffen der Artikel hat euch Gefallen. Habt ihr Anmerkungen oder Fragen, so hinterlasst doch einfach ein Kommentar.

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2 Kommentare

  1. Chrissie's Gravatar Chrissie
    29. November 2015    

    vielen dank für den sehr hilfreichen artikel. 🙂

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